Die Bademode von Agent Provocateur – etabliert aber immer noch provozierend

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Als Frau kommt man kaum am Label Agent Provocateur vorbei. Denn was Bademode und Unterwäsche angeht, ist diese Marke nicht nur super sexy, sondern sie glänzt in jeder Saison mit neuen Ideen und politischen Provokationen. Das dürfte eigentlich niemanden wundern, der die Firmengeschichte des Unternehmens ein wenig studiert hat. Niemand geringeres als Joseph Corre erfand das Label – der Sohn von Punkdiva und Designerin Vivianne Westwood. Bekannt wurden die Stücke von AP vor allem durch ihre tollen Schnitte und die intensiven Farben. Ein andere Aspekt war ganz sicher die Zusammenarbeit mit den großen Stars. Kylie Minogue machte für AP genauso Werbung wie Dita von Teese. Womit wir gleich beim Stichwort wären: Werbung.

Agent Provocateur versuchte immer wieder durch seine provokative Werbung Aufmerksamkeit zu erregen. Dazu zählte nicht nur ein angriffslustiger Anti-Bush Spot, sondern auch ein Auftritt während einer Modeschau von Vivianne Westwood. Ein Model trug einen orangefarbener Slip, der zusammen mit einer Menschenrechtsorganisation entworfen worden war. Dieser zeigte die Aufschrift Fair Trial my Arse. Mit diesem Statement sollte gegen die Behandlung von Gefangenen in Guantanamo demonstriert werden. Durch Kampagnen wie diese, stellte sich bei AP schnell großer Erfolg ein. Dies wird auf ein gutes Marketing – und ein ausgereiftes Firmenkonzept zurückzuführen sein. Ganz bestimmt, wird es aber auch nicht geschadet haben, auf einen so umfangreichen Erfahrungsschatz wie den von Vivianne Westwood zurückgegriffen zu haben. Wie die Geschichte nun letztlich im Detail verlief, ist aus der Distanz schwer nachzuvollziehen. Was wir sicher wissen, ist, dass AP großartige Mode macht. Das sehen wir nicht nur an den Kollektionen der Vergangenheit, sondern spiegelt sich auch in der neuen Bademodekollektion des Unternehmens.

Betont sexy sind die einzelnen Stücke. Ganz in der Tradition von hochwertiger, aufreizender Mode, schafft es AP wieder einmal, den Herren die Zunge aus dem Hals hängen zu lassen. Die Spanne der unglaublichen Teile (die auf den ersten Blick wirklich nur eine Botschaft haben: Sex) reicht von knappen Einteilern zu noch knapperen Zweiteilern. Ganz nach dem Motto: „weniger ist mehr“. Was man bei dieser Aufsehen erregenden Bademode allerdings oft vergisst, ist der geistige Background der Kollektion. Die Designer des Hauses haben sich vor allem von der Bademode der siebziger Jahre inspirieren lassen und deren Elemente mit der Jetztzeit konfrontiert. Herausgekommen ist dabei zeitgemäße Bademode, die mit dem Finger sogar in Richtung Zukunft zeigt. Gemeint sind damit vor allem die Monokinis, die fast ein wenig an die sexy Einteiler weiblicher Superheldinnen a la Superwomen erinnern. Diese Stücke werden wirklich jeden Mann verzaubern und definitiv Drama an den Strand bringen. Wem diese Einteiler dann doch etwas too much sind, der findet bei Agent Provocateur auch etwas schlichtere Bikinis.

Das gilt aber nicht unbedingt für die aufregenden Farben. Was die Stoffe angeht, so muss dieses Jahr alles super bunt und grell sein: helles Blau, Grün, Gelb und Pink. Das sind die Farben, mit den Agent Provocateur zwar schon länger arbeitet, anscheinend haben sie dieses Jahr aber auch den Weg in die Bademodekollektionen manch andere Designer gefunden. Ob sich die Designer bei den Ideen von AP bedient haben, oder lediglich dem Retrotrend der 80s-Farben gefolgt sind, wird sich nicht abschließen klären lassen. Agent Provocateur bleibt mit seiner diesjährigen Kollektion wirklich seiner Linie treu – und mit treue muss wohl vor allem eine geistige Treue gemeint sein. Denn 2007 verkaufte Corre das Label für sechzig Millionen Pfund. Agent Provocateur bleibt trotzdem unsittlich und greift da an, wo die Gesellschaft dunkle Punkte hat und ihre Prüderie lebt – weiter so!

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